Der Pastor

Juni 2021:
 

Man muss Gott mehr gehorchen als den Menschen  (Apg 5,29)

 

In den Lutherbibeln ist dieser Satz fett gedruckt. Das signalisiert: Achtung! Hier haben wir eine biblische Kernstelle vor uns. Merke sie dir gut. Gegen ein solches Verfahren ist nichts einzuwenden. Jedenfalls dann nicht, wenn man diese Sätze nicht aus dem Zusammenhang reißt. Bloße Schriftzitate, aus dem Kontext der biblischen Überlieferung herausgerissen, sind immer gefährlich. Damit kann man zum Fanatiker werden oder zur Fanatikerin, von Schlimmerem ganz zu schweigen. Lassen wir uns also vom Fettdruck dazu anregen, genau hinzuschauen

Es handelt sich hier um ein Bekenntnis der Apostel, die man mit Predigt- und Lehrverbot belegt hatte. Ihr Bekenntnis vor der höchsten Ratsversammlung in Jerusalem lautet kurz gefasst: Wir gehören und gehorchen dem, der Gottes Liebe und Gottes Gnade in Person ist. Und weil diese Liebe und Gnade Gottes allen Menschen gilt, darum können wir davon nicht schweigen. Damit ist der innerste Kern dessen genannt, was Gehorsam gegenüber Gott meint: In Freiheit zu dem gehören zu wollen, der nicht will, dass Menschen verloren gehen in Selbstzerstörung, Lieblosigkeit, Hass, Gewalt, Einsamkeit und Mutlosigkeit. Und darum von diesem liebevollen, starken Gott zu reden und sich davon nicht abbringen zu lassen. Dass dieses Reden auf Widerstand stoßen kann und wird, liegt auf der Hand. Die Geschichte der christlichen Kirche ist voll von Beispielen dafür, dass Menschen mit ihrem Bekenntnis zum Gott der Liebe, der Gerechtigkeit und des Friedens auf Gegenwehr gestoßen sind und dabei nicht selten sogar mit ihrem Leben bezahlt haben. Und die Geschichte der christlichen Kirche ist auch eine Geschichte vieler, allzu vieler Versäumnisse, dieses Bekenntnis klar und deutlich auszusprechen – Gott sei’s geklagt. Der Fettdruck hat also seinen guten Sinn.

Der markante Satz will allerdings noch einmal in anderer Hinsicht genau betrachtet werden. Denn das kleine Wort „mehr“, das darin enthalten ist, könnte sonst leicht übersehen werden. Und dann würde der Satz weltfremd, ja geradezu ideologisch. Dass wir uns gehorsam zu Gott bekennen, schließt ja nicht aus, dass es auch Gehorsam gegenüber anderen Menschen gibt. Es stimmt: Hier hat es viel Missbrauch gegeben durch Zwang, Manipulation und blinden Gehorsam. Und den gibt es immer wieder. Aber es gibt auch einen gesunden Gehorsam, der das Zusammenleben fördert, einen Gehorsam, der Freiheit und Vertrauen atmet: im Erziehungswesen, im Gesundheitswesen, im Arbeitsleben, im Straßenverkehr, im Staatswesen. Niemals aber darf ein solcher Gehorsam mit göttlichen Attributen versehen werden. Hier markiert das „mehr“ die Grenze, die nicht überschritten werden darf – von denjenigen nicht, die Gehorsam fordern, und auch nicht von denen, die Gehorsam leisten.

 

Prof. Dr. Volker Spangenberg (Theologische Hochschule Elstal)

 

Gerd Wolk

Gerd Wolk, verheiratet, 4 Kinder, wurde 1957 in Essen geboren. Er absolvierte die Handelsschule und schloss sie mit dem Fachabitur Wirtschaft ab. Von 1979 bis 1984 studierte er am Theologischen Seminar des Bundes Evangelisch-Freikirchlicher Gemeinden in Hamburg. Nach 3 Jahren Mitarbeit im Jesus Center Hamburg wurde er 1987 als Pastor in den Gemeindedienst der Neulandmission Borken/Coesfeld berufen. 1994 folgte er der Berufung in die Evangelisch-Freikirchliche Gemeinde in Goslar. Nach 18 Jahren Dienst in dieser Gemeinde folgte er 2012 einer Berufung in die Evangelisch-Freikirchliche Gemeinde Nienburg / Weser. Im Oktober 2017 sprach die Evangelisch-Freikirchliche Gemeinde Frankfurt (Oder) eine Berufung aus. Dieser folgte er und begann am 1.02.2018 seinen Dienst als Pastor in unserer Gemeinde.